Luther 1821759 1920

Reformation

Im heutigen Sprachgebrauch werden zwei Wörter fast synonymartig verwendet, die ursprünglich absolute Gegensätze beschreiben: gemeint ist der Wunsch nach Veränderung. So viele Unsicherheiten, Ängste treiben die Menschen um, dass Veränderung in vielen Lebensbereichen herbeigesehnt wird – eine Veränderung zum Besseren wohlgemerkt. Dieser Wunsch dürfte wohl auch Martin Luther beim Verfassen der 95 Thesen bewegt haben, die im Nachgang zu einer Reformation der Kirche führten. Die Zustände in den Kirchen widersprachen nach Luthers Ansicht der grundlegen Botschaft des Evangeliums in den wichtigsten Punkten. Die Hauptpunkte seiner Thesen fasste er selbst einmal so zusammen: „Sola fide. Sola gratia. Sola Scriptura. Sola christus.“ – „Allein durch Glauben. Allein durch Gnade. Allein durch die Schrift. Allein durch Jesus.“
Auslöser seiner Thesen war der boomende Ablasshandel, mit dessen Hilfe sich nicht wenige Kirchenmänner den Bau prunkvoller Kirchen finanzierten und den Menschen Erlösung von ihrer Schuld versprachen. Die vorherrschende Furcht vor Tod und „Fegefeuer“ nutzten sie nicht nur, sondern schürten sie zusätzlich. Luther wollte eine Erneuerung, eine Wiederherstellung des wahren Evangeliums. Aus diesem Grund feiern wir am 31. Oktober den Reformationstag – als Mahnung an Christen, dass die Gemeinsamkeiten – Glaube, Gnade, Schrift, Jesus – unabhängig von der Kirchenzugehörigkeit Grundlage und Schwerpunkt sind. Nicht das Trennende soll im Fokus stehen und für Zwist sorgen, sondern das Einende, Verbindende – Jesus selbst. Und so war es eben keine Revolution – Umdrehung, Umwälzung, sondern eine Wiederherstellung, die auf Luthers Thesen folgte.

In diesem Sinne und dem Gedanken der Verbundenheit in den grundlegenden Dingen des christlichen Glaubens schließe ich mich seinen Worten an:

„Predigen will ich's, sagen will ich's, schreiben will ich's. Aber zwingen, mit Gewalt dringen, will ich niemanden, denn der Glaube will willig, ungenötigt angenommen werden...“

Doch auch jenseits des Glaubens ist „Einheit“ etwas, das uns mehr und mehr abhandenkommt. Das Trennende steht im Fokus, der Vergleich und das Kategorisieren von Meinungen und Taten stehen im Vordergrund. Ich möchte auf diesem Weg an uns alle appellieren, den Reformationsgedanken aufzugreifen und GEMEINSAM den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Wir werden nicht in allen Punkten derselben Ansicht sein, aber wenn wir uns auf das Verbindende besinnen, kann Einheit entstehen, wachsen und verändern.