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Impfzentren erhalten - Arztpraxen entlasten

Die angestrebte Schließung der Impfzentren sorgt in den letzten Tagen für kontroverse Diskussionen. Nachdem zahlreiche Städte und Gemeinden ihre Einwohner in den vergangenen Wochen und Monaten bei der Terminfindung unterstützt haben, um dort die Impfung zu erhalten, steht nun die Frage im Raum: Wie geht es weiter? Nach den Plänen des Ministeriums sollen die Impfungen in Zukunft vorrangig durch Haus- und Betriebsärzte erfolgen. Mobile Teams sollen unterstützen und in Chemnitz, Dresden und Leipzig sollen auch weiterhin Impfzentren bestehen bleiben.

Auch wenn ich der Argumentation des Ministeriums bezüglich der anfallenden Kosten und der angestrebten Impfquoten folgen kann, muss die Situation im ländlichen Raum differenzierter betrachtet werden.

Der hier bereits herrschende Arztmangel – insbesondere im hausärztlichen Bereich – führt schon jetzt dazu, dass zahlreiche Menschen keinen Hausarzt haben oder lange Wege in Kauf nehmen müssen, um entsprechend versorgt werden zu können. Bereits jetzt besteht ein Großteil der Arbeit in den Praxen darin, Anrufe zum Thema Impfung zu beantworten. Eine ausreichende Versorgung der Patienten vor Ort zu anderen gesundheitlichen Aspekten häufig nicht mehr adäquat möglich. Die Belastung des Personals vor Ort ist stark gestiegen.

Sicherlich können Hausärzte eine persönlichere Einschätzung zur gesundheitlichen Situation der Patienten stellen. Dennoch halte ich es für nicht ratsam, in unserer nach wie vor angespannten Lage, die Möglichkeit, viele Menschen zentral zu impfen mit ausreichend Personal vor Ort, zu beenden.

Mit der angestrebten Schließung der Impfzentren wird die Belastung in den Hausarztpraxen unnötig verstärkt, so dass zu befürchten steht, dass die medizinische Versorgung qualitativ sinkt oder lange Wartezeiten entstehen. Beides ist nicht zielführend.

Mittlerweile erfolgt die Terminvergabe in den Impfzentren nur noch stark eingeschränkt, da die Zweitimpfung vor Ort nicht abgesichert werden kann solange nicht über Schließung oder Weiterbestehen entschieden wurde. Auch hier entstehen unnötige Wartezeiten und Unsicherheiten bei den Bürgerinnen und Bürgern, die sich selbst und andere mit der Impfung schützen wollen. Darüber hinaus ist der logistische und personelle Aufwand enorm, der durch das Verzögern einer Entscheidung für die Impfzentren entsteht. Die Schaffung einer Planungssicherheit für die weiteren Möglichkeiten einer Erst- und Zweitimpfung, die sowohl für Impfinteressierte, Betreiber der Zentren und das Personal vor Ort von entscheidender Bedeutung sind, muss absolute Priorität haben. Finanzielle Erwägungen sind natürlich zu berücksichtigen, dürfen aber vor dem Hintergrund der weltweit grassierenden SARS-CoV-2-Pandemie nicht an vorderster Stelle stehen.

Die Absicherung der Impfungen ist durch Hausärzte und Betriebsärzte aus meiner Sicht in absehbarer Zeit und bei gleichbleibendem Qualitätsstandard nicht zu gewährleisten. Mit dieser Sorge, verbunden mit der ausdrücklichen Bitte, eine Weiterbetreibung zu ermöglichen, habe ich mich an das Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gewandt und hoffe, dass diese Bedenken, die mancher von Ihnen vielleicht teilt, dort bei der endgültigen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.