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175 Jahre Grundsteinlegung an der Göltzschtalbrücke

175 Jahre Grundsteinlegung an der Göltzschtalbrücke

Mit dem Sonderzug nach Reichenbach reisten am Pfingstsonntag vor 175 Jahren zahlreiche Gäste zur Grundsteinlegung am Ufer der Göltzsch an.
In einer feierlichen Zeremonie wurde diese damals von Oberingenieur und Bauleiter Robert Wilke besiegelt. Auch heute waren zahlreiche Würdenträger vor Ort unter anderem der Oberbürgermeister der Stadt Reichenbach, Raphael Kürzinger, der Bürgermeister der Stadt Netzschkau, Mike Purfürst, sowie Sandro Bauroth als Bürgermeister der Stadt Elsterberg.

Vom großen Interesse zahlreicher Bürgerinnen und Bürger dürften die Organisatoren der heutigen Gedenkveranstaltung überrascht gewesen sein. Die „Ficht’n Rappes“ untermalten die Impulsvorträge und Anekdoten mit Blasmusik.

Christa Trommer vom Fremdenverkehrsverein „Nördliches Vogtland“ e.V. gab dabei mit Regina Möller Einblicke in die historischen Gegebenheiten, die Lebens- und Arbeitsbedingungen und Herausforderungen, denen Ingenieure, Bauleiter und Verantwortliche damals gegenüberstanden. Schon 1846 – als Eisenbahnen noch längst kein alltäglicher Anblick waren – war klar, dass die zu bauende Brücke ein besonderes Schmuckstück sein würde. Galt es doch nicht nur technische Grenzen der Züge im Blick zu haben, sondern auch statische Berechnungen, ohne jegliche entsprechenden Erfahrungswerte durchzuführen, damit die Brück den Belastungen des Zugverkehrs standhalten würde. Die maximale Steigung, die Lokomotiven zu dieser Zeit bewältigen konnten, lag bei etwa 1 m auf 100 m Strecke. Im Tal der Göltzsch galt es ein Vielfaches zu überwinden. Es erfüllt mich mit Staunen und Stolz, dass es gerade Andreas Schubert, ein gebürtiger Vogtländer war, der den Entwurf für die Göltzschtalbrücke anfertigte. Heute ist sie mit 78 m Höhe und 574 m Länge die größte ziegelgemauerte Eisenbahnbrücke der Welt. Mehr als 26 Millionen Ziegel wurden verbaut. Rund 1.700 Arbeiter waren pro Monat tätig auf den Baustellen.


„Nun danket alle Gott“ sangen Gäste und Arbeiter damals bei der Grundsteinlegung. Diese Tradition wurde heute ebenso umgesetzt wie die Verlesung des Schlusssteinspruches, den König Friedrich August II. im Juli 1850 verlas. „Schaut an, schaut an das Meisterstück, das achte Weltwunder, die Göltzschtalbrück‘!“. Weiter ging es mit der Hoffnung, dass auch die Enkel noch über diese Brücke und die dafür notwendigen Arbeiten staunen würden. Dass das der Fall ist, habe ich heute mit allen Teilnehmern erlebt. Auch die Bewerbung als Weltkulturerbe unterstreicht die Hoffnung auf Anerkennung dieses einzigartigen Bauwerkes, die alle anliegenden Städte teilen. Ein besonderer Dank gilt daher neben dem Fremdenverkehrsverein „Nördliches Vogtland“ e.V. den Stadtverwaltungen von Netzschkau und Reichenbach, die sich gemeinsam seit langem für Erhalt und Pflege des gesamten Areals einsetzen. Auch die Bewerbung als Weltkulturerbe unterstützen Oberbürgermeister Raphael Kürzinger und Bürgermeister Mike Purfürst gemeinsam.

Das nächste Event wirft indes bereits seine Schatten voraus: Am 15. Juli jährt sich die erste Zugüberquerung zum 170. Mal.

Bilder: Viola Unger-Bauer