Aufstand

Des Vergangenen gedenken: 17. Juni 1953

Des Vergangenen gedenken: 17. Juni 1953

„Der Tag X“ - ein Buchtitel des Schriftstellers Titus Müller, der mir bei einer Buchlesung hier in Reichenbach vor einigen Jahren die Hintergründe des Aufstandes vom 17. Juni 1953 durch sein Epos sehr berührend vor Augen stellte und nicht mehr vergessen lässt, gibt mir auch heute Anlass zum Gedenken. Bis zum Tag der deutschen Einheit war der 17. Juni Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland und ist seitdem Gedenktag geblieben.

Dieser „Tag X“ nahm vor der krisenhaften gesamtstaatlichen Kulisse der DDR seinen wesentlichen Ursprung als „Maßnahme zur Gesundung der politischen Lage“ in Gestalt einer staatlich verordneten 10%-igen Erhöhung der für den Lohn zu erbringenden Arbeitsleistung. In weit über 500 Orten in der DDR kam es daraufhin zu Streiks, Kundgebungen oder Gewalttätigkeiten gegen offizielle Personen bzw. Einrichtungen und formierte sich zu einem Aufstand vieler Beschäftigter und Arbeiter. Die Zahl der am Protest Beteiligten lässt sich nicht genau bestimmen, Angaben schwanken zwischen 400.000 und 1,5 Millionen Menschen.

Die infolge des 17. Juni Verurteilten wurden in den Haftanstalten mit einem gelben „X“ gekennzeichnet. Aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung, der Schikanen des Wachpersonals und des mangelhaften Arbeitsschutzes in den Zuchthäusern erlitten viele „X-er“ schwere gesundheitliche Schäden. Den Ehefrauen der Verurteilten wurde oft zur Scheidung geraten oder mit der Wegnahme ihrer Kinder gedroht. Nach vorliegenden Ergebnissen sind 55 Todesopfer durch Quellen belegt. Etwa 20 weitere Todesfälle sind ungeklärt. – Auch dies ein Stück schmerzhafter deutscher Geschichte, das nicht vergessen werden darf und viele Lebensbiografien wesentlich beeinflusst hat!